Zahnstein beim Hund - auch beim Barfen

Zahnstein auch bei Barf

Es gehört zu den am häufigsten verbreiteten Irrtümern, dass eine Barf-Ernährung des Hundes vor Zahnsteinbildung schützt. Die hässlichen und auch nicht ungefährlichen Beläge auf den Hundezähnen entstehen genau wie beim Menschen nur zum geringen Teil durch eine falsche Ernährung.

Hauptsächlich sind die genetische Veranlagung und gelegentlich auch eine zu kleine Kopf- und damit Gebissform für die Bildung von Zahnstein verantwortlich.

Zahnstein beim Hund - auch beim Barfen

Wodurch entsteht Zahnstein beim Hund?

Viele Menschen sind der Ansicht, dass eine falsche Ernährung die Zahnsteinbildung beim Hund hervorruft. Das ist nur zum Teil richtig. In erster Linie sorgt die genetische Veranlagung eines Hundes für starke Zahnsteinbildung. Hundehalter, die mehr als einen Hund haben, sehen das auch daran, dass nicht alle Tiere Zahnsteinprobleme haben, obwohl sie das gleiche Futter bekommen.

Die Beläge bilden sich durch den pH-Wert im Maul des Hundes, die Zusammensetzung des Speichels und auch durch eine zu kleine Kopfform, bei der die Zähne zu dicht im Hundemaul angeordnet sind.

Falsches Hundefutter kann die Bildung von Zahnstein begünstigen, wenn der Hund viele Nährstoffe mit hohem Kohlenhydratanteil wie Getreide oder Rohzucker bekommt, und das Futter sehr weich ist. Vor allem der Zucker sorgt dafür, dass sich Bakterien gut ausbreiten können. Daher empfiehlt sich immer ein Zucker und getreidefreies Hundefutter.

Ein weiterer Auslöser für die Zunahme von Zahnstein kann die Kopfform des Hundes sein. Leider ist es sehr in Mode gekommen, Hunde mit besonders kleinen Kopfformen zu züchten. Diese sind durch die zu eng stehenden Zähne jedoch eher gefährdet, Zahnstein zu entwickeln, als Hunde mit einem normalen Kopfumfang.

UrsacheBetroffen
Schmale und lange KieferBeispielsweise Pudel und Dackel
Besonders eng stehende ZähneRassen wie Malteser und Yorkshire Terrier
Falscher pH Wert (meistens durch fleischarmes Trockenfutter)Alle Hunde

Wir möchten hier noch hinzufügen, dass selbst bekannte Marken in ihrem Trockenfutter keinen allzu hohen Fleischanteil haben. Lassen Sie sich bitte nicht von den Deklarationen veräppeln, die haben da so ihre Tricks.

Mythos: Trockenfutter ist gut gegen Zahnstein

Ein sehr weitverbreitetes Märchen ist, dass Trockenfutter durch die Kroketten für den Abrieb des Zahnsteins an den Zähnen sorgen soll (möglicherweise bewusst gestreut von den Trockenfutter Herstellern). Das es keinerlei Studien dazu gibt, sollte ein ausschlaggebendes Argument sein.

In der Natur würden Hund und Katze sich das Fleisch vom Tier abreißen und es dann schlingen - ein Kauvorgang findet gar nicht statt. Raubtiere kauen nicht richtig, da hilft auch kein Trockenkeks, denn selbst wenn dieser zerkaut wird, ist die Beschaffenheit so gegeben, dass die Kroketten sofort auseinander fallen.

Durch diesen schnellen Zerfall kommen die Kroketten auch gar nicht an die von Zahnstein betroffenen Stellen und zerfallen quasi schon an der Zahnspitze. Trockenfutter neigt auch eher dazu Zahnstein zu fördern: Der pH-Wert muss im Körper stimmen. Durch das Trockenfutter ist dies nicht der Fall und das wirkt sich dann wiederum im Maul mit Zahnbelag oder Zahnstein aus.

Mythos: Nassfutter verursacht Zahnstein

Ein weiterer Mythos ist, dass Nassfutter schuld an Zahnstein oder Mundgeruch ist. Natürlich riecht der Hund nach dem Aufnehmen des Futters zunächst etwas streng aus dem Maul im Vergleich zu einer Trockenfutter Fütterung, jedoch verfliegt der Geruch in der Regel recht schnell.

Nach einer halben Stunde sollte man es nicht mehr merkbar riechen. Es gibt jedoch keinerlei Belege oder Studien dafür, dass Nassfutter mehr zu Zahnstein führen kann, als Trockenfutter. Viel mehr kann bei einem guten Nassfutter der Zahnstein effektiver verhindert werden als bei einem "guten" Trockenfutter.

Symptome: Woran Zahnstein erkennen?

Zahnstein zeigt sich durch bräunliche Beläge auf den Hundezähnen, die zunächst in der Nähe des Zahnfleisches auftreten und sich nach unten fortsetzen. Der Hund entwickelt einen unangenehmen Maulgeruch. In schlimmen Fällen entzündet sich das Zahnfleisch und bietet den Bakterien einen guten Nährboden. Chronische Zahnfleischentzündungen und eine damit einhergehende Rückbildung des Zahnfleisches ist meist auf Zahnstein zurückzuführen.

  • Verfärbungen an den Reißzähnen (siehe Bilder)
  • Spürbar raue Ablagerungen
  • Zahnfleischentzündungen
  • Blutendes Zahnfleisch
  • zurückgebildetes Zahnfleisch
  • Appetitlosigkeit
  • Mundgeruch
  • Eiter oder sogar Zahnausfall

Symptome - Zahnstein beim Hund

Warum und wie muss Zahnstein behandelt werden?

Durch starken Zahnsteinbelag erhöht sich das Risiko bakterieller Entzündungen. Diese können so stark werden, dass sich die Zähne lockern und schließlich ausfallen. Das ist beim Hund ähnlich wie beim Menschen. Um Folgeschäden durch die Zahnsteinbildung zu vermeiden, hilft nur der Gang zum Tierarzt, der eine professionelle Zahnreinigung beim Hund durchführt.

Dafür muss der Hund in Vollnarkose gelegt werden, da kaum ein Vierbeiner diese Behandlung über sich ergehen lässt, ohne sich zur Wehr zu setzen. Die Reinigung der Hundezähne erfolgt durch Ultraschall und spezielle Geräte zur Zahnreinigung.

Kann Barfen vor Zahnsteinbildung schützen?

Neigt ein Hund zur Bildung von Zahnstein, nützt es wenig, ihm die Zähne zu putzen, wenn er sich das überhaupt gefallen lässt. Auch eine Futterumstellung auf Barf wird nicht verhindern, dass sich die Beläge bilden. Bedingt kann eine Ernährungsumstellung des Hundes allerdings vor Zahnstein schützen. Besonders das Barfen ist hier zu nennen, da diese Ernährungsform auf natürliche Rohfütterung setzt.

Getreide und Zuckerstoffe gehören nicht zu einer artgerechten Barf-Fütterung. Dadurch ist es möglich, die Zahnsteinbildung wenigstens zu reduzieren. Ganz verhindern lässt sie sich wegen der genetischen Veranlagung aber auch durch eine Rohkostfütterung nicht.

Was können Sie zur Vorbeugung tun?

In der Natur bekommen Caniden keine Nahrung, die zerteilt oder vorgekocht ist. Sie müssen das Wild erlegen und mit ihren Zähnen große Fleischstücke von den Knochen reißen. Anschließend werden die Knochen aufgebrochen, um das Mark zu entfernen.

Diese Form der Ernährung bietet einen Schutz vor Zahnstein, weil Zahnbeläge durch das Abreißen des Fleisches und das Kauen auf den Knochen automatisch abgerieben werden. Das natürliche Hundegebiss ist dafür perfekt ausgestattet. Die Zähne laufen spitz zu und stehen nicht zu eng nebeneinander. Diese Anordnung verhindert, dass sich Zahnstein in engen Zwischenräumen ablagern kann.

  • Auf hochwertiges Nassfutter umstellen
  • Zuckerhaltiges Futter oder Leckerlies vermeiden
  • Hundefutter ohne Getreide nehmen
  • Darmflora aufbauen
  • Trockenfutter vermeiden
  • Knochen verfüttern (Rind, Lamm)
  • Zahnreinigungsknochen aus dem Fachhandel vermeiden

Rohe Knochen mit Fleisch füttern

Geben Sie Ihrem Hund deshalb regelmäßig rohe Knochen mit möglichst viel Fleisch daran. Dadurch ist Ihr Vierbeiner gezwungen, seine Zähne einzusetzen und so automatisch zu reinigen. Füttern Sie niemals gekochte Knochen, da hier das Fleisch zu weich ist und die Knochen durch das Kochen sehr spröde werden.

Sie können beim Fressen springen und sich in den Schleimhäuten und Magen-Darm-Wänden des Hundes verfangen. Büffelhautknochen sind eine weitere gute Vorbeugung vor Zahnstein, denn auch hier muss der Hund seine Zähne einsetzen.

Zahnstein vorbeugen - Rohe Knochen mit Fleisch füttern

Die im Handel angepriesenen Zahnreinigungsknochen helfen wenig bei der Vorbeugung gegen Zahnstein beim Hund. Einmal sind sie viel zu weich, sodass der Hund sie in kürzester Zeit zerlegt. Die Zähne werden dadurch kaum gereinigt.

Zum anderen enthalten sie wie die meisten fertigen Produkte Getreide und manchmal auch Zucker als Geschmacksverstärker. Das sind jedoch genau die Nährstoffe, die die Zahnsteinbildung begünstigen.

Manche Experten empfehlen, einem zur Zahnsteinbildung neigenden Hund die Alge Ascophyllum Nodosum zuzufüttern. Hierbei besteht allerdings die Gefahr einer Überdosierung mit Jod. Ein Hund, der fachgerecht ernährt oder gebarft wird, ist nicht gefährdet, zu viel Jod zu bekommen, wenn Sie sich genau nach den Anweisungen richten und nur die empfohlene Menge der Alge zufüttern.

In manchen Fällen lässt sich nach einer mehrwöchigen Kur mit diesem Futterzusatz der Zahnstein relativ einfach mit der Zahnbürste entfernen.

Barfen schützt nicht vor Zahnsteinbildung beim Hund

Neigt ein Hund zur Bildung von Zahnstein, nützt es wenig, ihm die Zähne zu putzen, wenn er sich das überhaupt gefallen lässt. Nur wenn Sie mit Ihrem Hund das Zähneputzen trainiert haben, wird er diese Prozedur über sich ergehen lassen. Auch eine Futterumstellung auf Barf wird nicht verhindern, dass sich die Beläge bilden.

Allerdings ist eine Umstellung auf Futter ohne Getreide und Zucker oder eine Barf-Ernährung empfehlenswert, um die Zahnsteinbildung zu reduzieren. Die vorbeugende Gabe von rohen Knochen ist ebenfalls sinnvoll. Ist Zahnstein aufgetreten, sollten Sie entweder versuchen, ihn mechanisch zu entfernen oder gleich den Gang zum Tierarzt antreten.

Über die Autorin
Sarah Strahberger ist Hundetrainerin und zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde.

Seit 2015 schreibt Sarah als Fachjournalistin für Hundefutter Tests hochwertige Artikel und nimmt gemeinsam mit ihrer Mischlingshündin Luna verschiedene Hundefutter Sorten unter die Lupe.

Ihre Mission ist es, über die verschiedenen Hundefutter Deklarationen aufzuklären. Sie möchte Hundebesitzer informieren und sensibilisieren, die Deklaration von Hundefutter aufmerksam zu lesen.
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