Applaws Chicken Puppy

Applaws Chicken Puppy im Welpenfutter Test

Immer mehr Hersteller werben mit „natürlichen“ Bestandteilen in ihrem Futter und einem hohen Fleischanteil – so auch das Trockenfutter für Welpen „Applaws Grain Free Chicken Puppy“, das für kleine und mittelgroße Hunde sowie auch für große Rassen erhältlich ist. Wir haben uns genauer angeschaut, inwiefern dieses Welpenfutter hier hält, was es verspricht. Dabei hat sich gezeigt, dass das Applaws Grain Free Chicken Puppy hier in einem dieser Aspekte vielleicht sogar eher über das Ziel hinausschießt.

Hinter dem Markennamen Applaws verbirgt sich der britische Hersteller MPM Ltd, der mittlerweile weltweit in 49 Ländern die Futtermarken Applaws, Encore und Reveal sowie die Katzenstreu „Nature’s Calling“ vertreibt. Auf seiner Website präsentiert sich das Unternehmen wie eines von vielen, die in Sachen hochwertiges Tierfutter mal wieder das Rad neu erfunden haben wollen. Zur Firmenphilosophie gehört laut der Online-Präsenz unter anderem, „einfach besseres Tierfutter“ mit natürlichen Zutaten herzustellen.

Wir müssen jedoch zugeben, im Vergleich zu anderen Trockenfutter Herstellern aus unseren Tests, gehört Applaws schon eher zu den „guten“.

Applaws Chicken Puppy

MPM – Der Hersteller von Applaws nimmt sich viel vor

Applaws Grain Free im FutternapfZu den Qualitätsrichtlinien von Applaws gehört die Zertifizierung nach dem BRC (British Retail Consortium) Global Standard für Lebensmittelsicherheit. Die Herstellungsqualität entspricht also dem Niveau, wie sie für die Herstellung von Lebensmitteln für den Menschen gefordert wird. Zu den Anforderungen zählt beispielsweise ein Qualitätsmanagementsystem im Bereich Lebensmittelsicherheit nach ISO 9001, Produktkontrolle in jeder Phase, Prozesskontrollen und bestimmte Hygieneanforderungen.

Zum Qualitätsdenken von Applaws gehört außerdem der Verzicht auf „viele chemische Zutaten“, tierische Abfallprodukte, Geschmacksverstärker und künstliche Farbstoffe. Die Qualitätskontrollen werden tierärztlich überprüft. Vorbildlich: der in anderen Sorten verwendete Fisch wird nachhaltig mit delphinfreundlichen Methoden gefischt. Für die ethischen Prinzipien von MPM wurden die Marken Applaws und Encore sogar von PETA anerkannt. Darüber hinaus prangen auf der Website Siegel vom ethischen Vergleichsportal „Good Shopping Guide“ und von der Umweltgruppe Earth Island Institute. Woher aber jedoch das verwendete Hühnchen stammt, ist auf die Schnelle nicht zu finden.

 

Fragezeichen: Huhn = Fleisch?

Als erste Zutat erscheint in der Deklaration „Huhn 67% (getrocknetes Hühnchenfleisch)“. Wer unsere Testberichte kennt, wird jetzt vielleicht denken „toll, die Zahl steht nicht in der Klammer, und es handelt sich um getrocknetes Hühnchenfleisch, wodurch der Fleischanteil am Ende nicht niedriger ausfällt, weil sonst ja noch Wasser rausgerechnet werden müsste…“ – fast richtig!. Es könnte natürlich schon so sein – aber dann bleibt die Frage, warum der Hersteller nicht gleich „getrocknetes Hühnchenfleisch 67%“ oder ähnlich auf die Verpackung des Welpenfutters schreibt.

Größe der Kroketten beim Applaws WelpenfutterNur weil die Klammer keine Zahl enthält, muss es nicht heißen, dass sich die Klammer auf die gesamte Zutat bezieht. So kann unter Umständen also auch der halbwegs informierte Futterkäufer hinters Licht geführt werden. Wie viel von den 67% Huhn im Applaws Grain Free Chicken Puppy dann tatsächlich getrocknetes Hühnchenfleisch sind und wie viel davon womöglich minderwertigere Bestandteile wie Schnäbel oder übermäßig bindegewebshaltige Zutaten sind, bleibt im Dunkeln. 100 Prozent? Ein Prozent? Genauer werden wir es für unseren Test wohl nie erfahren.

Immerhin erscheint als nächste Zutat Hähnchenhackfleisch mit 8%. Wobei hier eben wieder der letztendliche Anteil in der Trockenmasse entsprechend geringer sein dürfte als die angegebenen 8 Prozent, da Trockenfutter nun mal weniger Wasser enthält als naturbelassenes Hackfleisch.

 

Fleischanteil nicht genau bestimmbar

Der Fleischanteil ist durch die gewählte Deklaration von Applaws in unserem Welpenfutter Test leider nicht genau ermittelbar. Der Hersteller selbst schreibt „75% Hühnchenfleisch“ auf die Verpackung, nun gibt es aber mehrere Möglichkeiten:

Variante A:
Das Futter besteht tatsächlich aus 67% getrockneten Hühnchenfleisch und 8% Hühnchenhackfleisch – zieht man beim Hackfleisch noch den Wasseranteil ab, kommt man auf ca.

69% Gesamtfleischanteil

-> Diese Variante ist unwahrscheinlich, da die Deklaration ansonsten so lauten würde: „getrocknetes Hühnchenfleisch 67%“

Variante B:
Vom enthaltenen Huhn sind 67% getrocknetes Hühnchenfleisch. 67% von 67% wären gerundet ca. 45% Fleischanteil + 2,4% Hühnchenhackfleisch (Wasseranteil bereits abgezogen)

47,4 % Gesamtfleischanteil

-> Diese Variante wäre denkbar

Variante C:
Nun ist aber nicht gegeben, dass von den „75% Hühnchenfleisch“, welche auf der Verpackung genannt wurden, auch das getrocknete Hühnchenfleisch gemeint wurde. Also läuft diese Berechnung darauf hin, dass in dem 67% enthaltenen Huhn noch 67% frisches Hähnchenfleisch enthalten ist.
Zu erst berechnet man von den 67% Huhn die 67% frisches Hähnchenfleisch: Gerundet 45% Frisches Hähnchenfleisch (gesehen an der Gesamtmenge im Futter. Dazu die 8% Hackfleisch = 53 % Frischfleisch – nun handelt es sich jedoch um ein Trockenfutter. Nach Abzug des Wasseranteils ergibt das:

15,9 % Gesamtfleischanteil

-> Diese Variante ist auch realistisch

Die 15,9 % wurde als Bewertungsgrundlage für unseren Testbericht des Welpenfutters verwendet, da die Deklaration einen so niedrigen Fleischanteil theoretisch zulässt. Für die Bewertung wird immer der niedrigste mögliche Fleischanteil genommen. Wir haben bisher noch kein Trockenfutter in unseren Tests gefunden, wo der reale Fleischanteil nach Abzug vom Wasseranteil über 50% liegt, gemäß den Informationen, die man aus der Deklaration ziehen kann. Somit sind hier für uns wirklich nur Variante B oder C realistisch. Kleine Rechenfehler nicht ausgeschlossen.

Die Deklaration des Applaws Hundefutters

Deklaration – Zum Vergrößern klicken

Kohlenhydrate: Kartoffeln und Erbsen

Danach folgt Kartoffelstärke mit 8%. Dies lässt auf einen stärkeren Verarbeitungsgrad schließen als wenn einfach Kartoffeln verarbeitet worden wären. Allerdings muss das nicht unbedingt schlecht sein – ein Trockenfutter weist ohnehin einen recht starken Verarbeitungsgrad auf, und je nach Tier können isolierte Bestandteile durchaus auch mal bekömmlicher als das ganze Original sein. In gleicher Menge sind Erbsen enthalten. In Klammern erscheint hier wieder „getrocknete Erbsen“ – insgesamt also schwer abzuschätzen, ob es sich um Trocken- oder Feuchtmasse handelt.

 

Abrundung mit Ölen unvorteilhaft

Leider scheint die Abrundung mit Ölen unserer Meinung nach nicht optimal zu sein. Das Applaws Grain Free Chicken Puppy enthält 3% Geflügelöl, angepriesen als Omega-6-Quelle, das Lachsöl als Omega-3-Quelle erscheint in der Zutatenliste aber erst sechs Stationen weiter hinten ohne Prozentangabe – und nach den Mineralstoffen, die ja einen eher kleinen Anteil am Gesamtgewicht ausmachen. Da Hühnchenfleisch ohnehin schon in aller Regel sehr Omega-6-lastig ist, dürfte sich die Fettsäurenbalance durch das separate Hinzufügen von Geflügelöl in diesen Mengen also in einen eher noch ungünstigeren Bereich verschieben. Eine zusätzliche Ergänzung mit hochwertigem Lachsöl kann sinnvoll sein.

 

Zutatenoverkill beim Applaws Grain Free Chicken Puppy?

Kroketten von Applaws Grain Free PuppySehr auffällig im Test des Applaws Welpenfutters ist die fast endlos wirkende Liste der Inhaltsstoffe, die mengenmäßig nicht mehr weiter spezifiert werden (mit Ausnahme der genauen Vitamin- und Mineralstoffgehalte). Bei den Rübenschnitzeln wird leider nicht angegeben, ob es sich um die entzuckerte Variante handelt. Von daher könnte es sich dabei um einen Geschmacksverstärker mit noch recht hohem Zuckergehalt handeln. In einem wirklich guten Hundefutter absolut unnötig. Geflügelsoße dürfte vielen Hunden sicher gut munden – in der kleinen Beimengung und bei einem Trockenfutter fällt sie aber wohl ohnehin nicht sehr ins Gewicht. Vielleicht auch nur eine Zugabe zur geschmacksverstärkenden Abrundung?

Weiterhin sind ganze Eier (Trockenei) und Zellulose aus Pflanzenfasern enthalten. Zellulose taucht eigentlich meistens in Futter für übergewichtige Hunde oder Senioren auf – also wo Sättigung bei niedrigerem Energiegehalt erzielt werden soll. Allerdings kann sich Zellulose bei längerer Fütterung auch negativ auf die Darmbakterien auswirken und ist letztendlich ein billiger Füllstoff (zum Teil schlichtweg Sägemehl). Was sie in einem Welpenfutter zu suchen hat, ist uns im Test nicht ganz schlüssig.

Nach Mineralstoffen, Lachsöl und Vitaminen taucht noch ein ganzes Arsenal an Inhaltsstoffen auf: Tomate, Karotte, Zichorienextrakt, Luzernenmehl und Meeresalgen. Diese liefern ein wenig präbiotische Ballaststoffe sowie natürliche Vitamine und Mineralstoffe. Hefeextrakt liefert Beta-Glucane, bei denen es sich um für das Immunsystem förderliche Polysaccharide handelt. Allerdings ist hefehaltiges Hundefutter, zumindest für Allergiker, eher nicht anzuraten. Die „Gelenkmittelchen“ Glucosamin, Methylsulfonylmethan (bekannter als MSM, nicht zu verwechseln mit der Chlorbleiche MMS) und Chondroitin werden nicht näher spezifiert. Sicher eher ein „Nice to have“ als ein „Must have“ – wer auf diese Zutaten setzt, wird sie vermutlich lieber gezielt separat füttern.

 

Dauerfütterung mit Kräutern

Es folgen mehrere Kräuter und Gewürze: Pfefferminze, Paprikamehl, Kurkuma und Thymianextrakt. Auch hier gilt: lieber im Bedarfsfall gezielt verabreichen und nicht einfach blind über das Tag für Tag gefütterte Hauptfutter. Der Zitrusextrakt soll vermutlich für Antioxidantien sorgen. Die Zugabe von Taurin ist nicht ganz unumstritten, was auch auf das enthaltene Yucca-Extrakt zutrifft. Letzteres wird gerne als „sanftes“ Schmerzmittel eingesetzt, sollte aber ganz sicher nicht einfach so über das Hauptfutter gefüttert werden und kann unter Umständen zu Magenproblemen führen. Taurinzugaben brauchen Hunde eigentlich nicht, Vertreter großer Rassen können gegebenenfalls davon profitieren. Mitunter aber ein Zeichen für nicht optimal zusammengestellte Geflügelanteile oder stärkeres Erhitzen.

Applaws Puppy im Welpenfutter TestGegen die Preiselbeere lässt sich nichts einwenden, skeptischer stimmen Fenchelextrakt und Ingwer aus bereits erwähnten Gründen. Johannisbrotextrakt, Hagebuttenextrakt und Löwenzahnextrakt sind wohl ohnehin bereits eher im Promillebereich enthalten, und Rosmarinölextrakt sowie Oregano sollen vermutlich auch zur natürlichen Konservierung beitragen. A

ußerdem sind noch Probiotika (E1705, Enterococcus faecium Cernelle 68) zur Unterstützung der Darmflora enthalten. In einem guten Hundefutter sind diese unserer Auffassung nach unnötig und können bei Bedarf (zum Beispiel nach einer Antibiotikagabe) separat gegeben werden, was allerdings nicht unumstritten ist. Vielleicht soll die Zugabe auch durchfallvermeidend wirken – diese Wirkung sollte aber besser durch richtige Fütterung und nicht durch irgendwelche Zusätze erreicht werden.

Konserviert wird das Welpenfutter laut Angabe mit natürlichen Antioxidantien und Tocopherolen (also Vitamin E). Inwiefern die zugesetzten Öle konserviert sind, bleibt offen, dies muss nicht deklariert werden, sofern diese vorkonserviert eingekauft wurden. Mit 64mg auf 100g Futter ist die Dosierung des Konservierungsmittels Vitamin E als hoch einzustufen.

 

Fazit zum Applaws Grain Free Chicken Puppy im Test

Auf den ersten Blick kommt dieses Welpenfutter sehr hochwertig und tierfreundlich daher. Im Test genauer betrachtet fehlen aber zu beiden Aspekten hier und da präzisere Angaben. Die fast unglaubliche Hülle und Fülle an diversen Mittelchen, Kräutern und sonstigen Zusatzstoffen mag den eher unkundigen, eventuell naturheilkundeaffinen Hundehalter beeindrucken. Diese sind in einem guten Futter aber nicht notwendig und sollten bedarfsweise und nicht nach dem Gießkannenprinzip gefüttert werden. In dieser Summe könnte das Futter auch durchaus problematisch für sensible Hunde mit Neigung zu Allergien und Unverträglichkeiten sein – da ist dann umso schneller etwas dabei, das nicht vertragen wird.

Inhaltsstoffe wie Zellulose, Yucca-Extrakt und Probiotika stimmen skeptisch – sie bieten meist wenig wirklichen Nutzen für den Hund, sondern sollen mitunter auch bei nicht optimalem Futter eine gesunde Verdauung vorgaukeln. Es gibt auf jeden Fall schlechtere Welpentrockenfutter als das Applaws Grain Free Chicken Puppy, aber auch durchaus bessere. Wer auf Nummer Sicher gehen will, greift für seinen jungen Hund ohnehin lieber zu qualitativ hochwertigem Nassfutter – das schlägt in Sachen Verträglichkeit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe.

Applaws Chicken Puppy

4.7 Testergebnis
Welpenfutter Test

Testkriterien anschauen

Art der Deklaration
7
Ersichtlicher Fleischanteil gemäß Deklaration
2
Inhaltsstoffe gemäß Deklaration
5
Wir würden gerne Ihre Meinung dazu hören:

Hinterlasse einen Kommentar